Bürgermeister Hermann Block als Gästeführer

Gemeinsam mit den Besuchern stellte sich Bürgermeister Hermann Block (Dritter von rechts) beim Heimathaus zu einem Erinnerungsfoto (Bild: Heimatverein Höltinghausen)

Informationen aus berufenem Mund bekam am vergangenen Sonntagnachmittag die Reisegruppe des Heimatvereins Höltinghausen, die mit einem Bus zu einem fast vierstündigen Aufenthalt die Gemeinde Bösel bereiste. Besonderes Glück hatten die Höltinghauser dabei, dass sich Bürgermeister Hermann Block bereit erklärt hatte, die Gruppe als Gästeführer durch die „familienfreundliche und musikalische Gemeinde Bösel“ zu führen,
die aber nicht nur bei der Wohnbebauung Schwerpunkte setzt, sondern auch im gewerblichen Bereich mit vielen familiengeführten Gewerbebetrieben aus Handel, Handwerk und auch dem IT-Bereich, ohne dabei die Landwirtschaft, die nach wie vor in Bösel stark vertreten ist, zu vergessen. Verschiedene der hier tätigen Unternehmen sind nicht nur weit über die Heimatregion hinaus in Deutschland oder in Europa aktiv. Einige dieser teilweise überaus innovativen Unternehmen sind weltweit sehr erfolgreich tätig, unter anderem als Zulieferer wichtigster technischer Komponenten internationaler Autokonzerne. In vielen Fahrzeugen weltweit starker Marken steckt kniffligste Technik aus Bösel, konnten die Besucher verwundert zur Kenntnis nehmen.
Neben allen diesen Aktivpunkten, durch die sich das Gesicht der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten teilweise stark gewandelt habe, spiele aber auch der Wohn- und Erholungswert für die Bevölkerung ein große Rolle, auf der Basis eines überaus aktiven Gemeinschaftslebens in unzähligen Vereinen und Gruppen. Die Euro-Musiktage seien seit Jahrzehnten ein wichtiges Aushängeschild der Gemeinde und hätten Bösel europaweit bekannt gemacht, so der Bürgermeister. Bösel sei eine Musikgemeinde.

Die Gemeinde hat gut 8.000 Einwohner und umfasst eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern.
Neben dem Hauptort Bösel ist Petersdorf das zweitgrößte Dorf in der Gemeinde, wo aktuell auch wieder in größerem Umfang Wohnbebauung stattfindet und weiterhin möglich sein soll, um die auch hier vorhandene Ausstattung mit Grundschule, Kindergarten und weiteren dörflichen Gemeinschaftseinrichtungen dauerhaft zu erhalten.
Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist durch mehrere Allgemeinärzte und Zahnärzte recht gut und auch die Psychotherapie und Physiotherapie ist hier vertreten, sowie auch zwei Apotheken. Mehrere Tierärzte praktizieren ebenfalls in der Gemeinde und runden das Versorgungsangebot ab.
Recht schnell erreichbar sind die Krankenhäuser in Friesoythe, Cloppenburg oder Oldenburg. Die Sozialstation und mehrere private Pflegedienste decken diesen wichtigen Bereich für die Versorgung der älteren Bürgerinnen und Bürger in Bösel ab. In Kürze komme auch noch eine Tagespflegeeinrichtung hinzu.
Zwei Kindergärten in Bösel und einer in Petersdorf mit Krippen runden das Angebot ab. Im schulischen Bereich gibt es die Oberschule in Bösel die Grundschulen in Bösel und in Petersdorf und das Gymnasium und die berufsbildenden Schulen ganz in der Nähe in Friesoythe. Die freiwillige Feuerwehr Bösel, die DRK-Bereitschaft und auch die örtliche Polizeistation runden das Angebot und die Daseinsvorsorge für die Einwohner ab.

Da sich die Höltinghauser im Vorgespräch auch besonders für die in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründete Moorsiedlung Hülsberg interessiert hatten, überraschte Bürgermeister Hermann Block die Höltinghauser/innen in Hülsberg mit einem weiteren Gästeführer. Arnold Taphorn, Spross einer Siedlerfamilie der ersten Stunde, stieg dort zu und informierte über die Entstehung und Entwicklung der Siedlung. Die ersten Siedler hatten jeweils gut 14 Hektar Moorflächen vom Siedlungsamt in Oldenburg zugeteilt bekommen. Wegen der Moormächtigkeit von rund sieben Metern habe man die Gebäude auf Pfählen gründen müssen und die Siedlung über viele Jahre nur über unbefestigte Wege und Moorwege erreichen können. Gerd Glup habe später politisch dafür gesorgt, dass die Höfe um jeweils rund zehn Hektar aufgestockt werden konnten. Ursprünglich war weitgehend nur Weide- und Milchwirtschaft möglich. Eine Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben habe im Laufe der Zeit aufgegeben und die Familienabkömmlinge hätten sich andere Berufe gesucht oder studiert. Deren Flächen seien von den verbleibenden Betrieben in Bearbeitung genommen worden. Heute würden die Betriebe teilweise auch andere Erwerbsquellen zusätzlich zur Milchwirtschaft nutzen, wie Taphorn an einigen Betrieben zeigen konnte. Die ursprünglich neuen Siedler stammten zu einem großen Teil aus dem Südoldenburger Bereich und der näheren Umgebungsregion-

Eine Besonderheit in diesem Zusammenhang ist auch, dass der spätere Höltinghauser Grundschulleiter Bernhard Grieshop, noch heute im Vorstand des Heimatvereins Höltinghausen und im plattdeutschen Kring des Heimatbundes aktiv, seine erste Stelle als Junglehrer ausgerechnet in Hülsberg angetreten hatte, in der ersten damals dort geschaffenen einklassigen Schule für alle Jahrgänge.

Unterbrochen wurde die Rundreise durch eine Kaffeetafel im der Gemeinde gehörenden Heimathaus, das privat bewirtschaftet wird und dennoch ein wichtiger Faktor für das örtlichen Gemeinschaftsleben und die Kulturarbeit in der Gemeinde ist.

Für den Heimatverein und die Besuchergruppe bedankte sich Heinz Janßen bei Bürgermeister Hermann Block dafür, dass er sich den ganzen Sonntagnachmittag für die Gruppe Zeit genommen und seine Gemeinde so interessant und überzeugend vorgesellt und die geplante weitere Entwicklung aufgezeigt habe. Das sei überhaupt nicht selbstverständlich und daher sei man dafür besonders dankbar.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.