Gemeinschaft zur Erhaltung der alten Dorfnamen

Im Jahre 1982 begann die Post, ein neues fünfstelliges Postleitzahlensystem einzuführent. Dabei sollten zunächst alle Ortsnamen durch den Gemeindenamen und eine Zahl ersetzt werden, also statt 49685 Höltinghausen sollte es dann postalisch 49685 Emstek 2 heißen. Das sollte auch für Personenstandsurkunden gelten.

Begrüßt wurde die Maßnahme der Post, für jede Gemeinde eine einheitliche Postleitzahl einzuführen.
Gegen den Wegfall der alten Ortsnamen aber regte sich in unserer Region bald Widerstand. Auf Initiative des Heimatvereins Höltinghausen bildete sich 1983 in den Gemeinden Emstek und Molbergen aus Vertretern der Heimatvereine Höltinghausen, Bühren und Peheim die „Gemeinschaft zur Erhaltung der alten Dorfnamen“. Die Vertreter dieser drei Heimatvereine einigten sich darauf, dass Heinz Janßen, Höltinghausen, Norbert Kuhn, Bühren, und Bernd Rattepolle, Peheim, für die Organisation des Protestes verantwortlich sein sollten.

Um diesem Protest Nachdruck zu verleihen, fuhr 1984 eine Gruppe von etwa 600 Heimatfreunden in 12 Bussen zum damaligen Regierungssitz in Bonn, um für die Erhaltung der alten Ortsnamen zu demonstrieren. Eine Abordnung der Demonstranten wurde im Postministerium vom parlamentarischen Staatssekretär Wilhelm Rawe empfangen. Sie überreichte ihm 14 000 Unterschriften aus unserer Region, die alle den Erhalt der alten Dorfnamen forderten. Er teilte den Vertretern mit, dass der Bundespostminister Dr. Christian Schwarz-Schilling zwei Tage vorher das Posttechnische Zentralamt beauftragt habe, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Erhaltung der alten Namen in den Postanschriften verbessert werden könnte.

Im selben Jahr kam der Staatssekretär eigens nach Höltinghausen, um im Saale Lüken die Notwendigkeit der postalischen Planung vor einer goßen Zuhörerschaft aus verschiedenen Orten unserer Region zu erläutern. Problemlos sei, so erklärte er,eine Bindestrichlösung, d. h. der Ortsname wird mit dem Gemeindenamen durch einen Bindestrich verbunden. Diese Lösung wiesen die Diskussionsteilnehmer aber zurück und beharrten auf eine Anschriftenlösung mit dem Ortsnamen direkt nach der Postleitzahl.

Vertreter des CDU-Gemeindeverbandes Emstek trugen 1985 dem nds. Innenministers Dr. Egbert Möcklinghoff in Hannover ihren Wunsch nach Erhaltung der alten Orts- und Dorfnamen in Personenstandsurkunden vor. Der Minister erklärte, dass in einem neuen Erlass die Bindestrichlösung angewandt werden solle. Auch wenn dies ein Forschritt sei, plädierten die Vertreter dafür, die Ortsnamen für sich allein stehen zu lassen, zumal diese oftmals älters seien als die vielfach reformierten Gemeindenamen.
Der hiesige Bundestagsabgeordnete, Manfred Carstens, und der amtierende nds. Landwirtschaftsminister, Gerd Glup aus Thüle, unterstützten den Protest.

Zusätzlich trug eine kleine Gruppe in Hamburg dem Vorsitzenden des Postausschusses des Deutschen Bundestages das Anliegen der Gemeinschaft zu Erhaltung der alten Dorfnamen vor.

1987 konnte die Gemeinschaft einen Teilerfolg feiern: Am 1. Nov. 1987 lief in den Gemeinden Emstek und Molbergen ein unbefristeter Betriebsversuch der Deutschen Bundespost an. Der Kampf um die Erhaltung der alten Dorfnamen aber ging weiter.

Die Hartnäckigkeit lohnte sich: Postalisch blieben unsere alten Dorfnamen erhalten, und so heißt es heute: 49685 Höltinghausen, 49685 Bühren, 49696 Peheim.
Die Orte sind auffindbar und heißen nicht 1, 2 oder 3.
So wie diese drei Beispiele behielten alle Orte in den Gemeinden Emstek und Molbergen
auch postalisch ihren Ortsnamen.

Bernd Grieshop/Ludger Feldhaus

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